11.
2018
Schweizer Frauen enttäuschen gegen Tschechien
Drittes Spiel, dritte Niederlage. Die Schweizer Frauen-Nati verliert zum Abschluss der EFT in Neuenburg gegen Tschechien mit 3:4. Ein Doppelschlag Misa Mlejnkovas im Schlussdrittel brachte die Entscheidung.
Es hätte im Schweizer Lager ein schöner Tag werden können. Corin Rüttimann etwa bestritt ihr 100. Länderspiel - den Blumenstrauss, den sie dafür nach dem Spiel erhielt, legte sie aber schnell wieder beiseite. Oder ein schöner Tag für Torhüterin Tina Leuenberger, die ihr erstes Länderspiel bestritt. Die 23-Jährige musste sich aber schon in der 6. Minute erstmals geschlagen geben, als die Tschechinnen in einer 4-gegen-1-Situation auf sie zuliefen und schnörkellos abschlossen. Diesen Rückstand verwandelten Isabelle Gerig (10.) und Seraina Ulber sechs Sekunden vor Drittelsende mit Schüssen jeweils durch den tschechischen Block in einen schmeichelhaften 2:1-Vorsprung.
Clevere Tschechinnen
Im Mitteldrittel glich Jets-Söldnerin Natalie Martinakova zunächst aus und kurz danach hätten die Tschechinnen gar wieder in Führung gehen können. Bei einem von Flurina Marti verschuldeten Penalty drängte Leuenberger die tschechische Schützin Nela Jirakova aber so weit ab, dass diese nur noch die Latte traf. Stattdessen war es Michelle Wiki, die kurz vor Ende des Abschnitts die Schweizerinnen wieder in Führung brachte. Erneut war es der erste Block, der erfolgreich war, während die anderen Formationen am ganzen Wochenende offensiv grosse Probleme bekundeten.
Der Vorsprung nach dem ersten Drittel war die erste Schweizer Führung an diesem Turnier überhaupt gewesen und hielt keine fünf Minuten. Auch nach Wikis 3:2 wurde es nicht besser. In der 43. und 45. Minute traf die ehemalige Red-Ants-Stürmerin Misa Mlejnkova zweimal schnörkellos - und von diesem Rückstand erholten sich die Schweizerinnen nicht mehr. Auch mit nur noch zwei Blöcken und ganz am Schluss mit einer sechsten Feldspielerin wurden kaum noch klare Chancen kreiert. Die ohne Teamleaderin Eliska Krupnova (Pixbo) angetretenen Tschechinnen spielten das 4:3 clever nach Hause und können über die ganzen 60 Minuten gesehen als verdiente Siegerinnen betrachtet werden. Zuvor hatten die Schwedinnen mit einem 8:1 über Finnland die aktuellen Stärkeverhältnisse im Frauenunihockey demonstriert.
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Viele Baustellen
Die Schweizerinnen haben ein Jahr vor der WM mit einem schwachen Auftritt gegen Tschechien keine Werbung in eigener Sache betrieben. „Wir zeigten heute nicht die Präsenz, die es braucht und bauten den Gegner mit vielen Fehlern regelrecht auf", gestand auch Nationaltrainer Rolf Kern nach Spielschluss ein.
Im Spiel mit Ball gelang viel zu wenig und das angestrebte Pressing zeigte zu selten Erfolg, so etwa beim Treffer Wikis zum 3:2. Vor allem aber war die Fehlerquote am ganzen Wochenende zu hoch. Gegen Tschechien war es besonders die zweite Formation um Andrea Gämperli und Tanja Stella, die einen schwachen Tag einzog - in den Partien davor waren es andere gewesen. Und die Schlüsselfrage bleibt - findet die Schweiz eine zweite Formation, die gegen die besten Gegnerinnen Tore erzielt? Wird auf diese Frage im kommenden Jahr keine Antwort gefunden, gibt es eine schwierige Heim-Weltmeisterschaft.
Schweiz - Tschechien 3:4 (2:1, 1:1, 0:2)
Salle de la Riveraine, Neuchâtel (SUI); 689 Zuschauer ; SR Juhani Kirves, Henrik Snellman
Tore: 6. Berankova (Ratajova) 0:1. 10. Gerig (Rüttimann) 1:1. 20. Ulber (Wiki) 2:1. 25. Martinakova (Enenkelova) 2:2. 39. Wiki (Rüttimann) 3:2. 43. Mlejnkova (Berankova) 3:3. 45. Mlejnkova (Ratajova) 3:4.
Strafen: 1x2 Minuten gegen die Schweiz, keine Strafe gegen Tschechien
Schweiz: Leuenberger; Stella, Mischler; Marti, Reinhard; Frick, Gredig; Scheidegger, Gämperli, Gerig; Ulber, Rüttimann, Wiki; Zwinggi, Rossier, Spichiger; Wyss, Suter.
Tschechien: Christianova; Berankova, Jirakova; Tozickova, Hermannova; Konickova, Kotzurova; Ratajova, Urbankova, Kubisova; Plaskova, Bocanova; Repkova; Enenkelova, Martinakova, Hanzlikova; Mlejnkova, Pekarkova
Bemerkungen: 27. Jirakova verschiesst Penalty. Flurina Marti (SUI) und Michaela Mlejnkova (CZE) als beste Spielerinnen ausgezeichnet.