08.
11.
2017
Nati Männer A | Autor: Güngerich Etienne

Taktisch ausgespielt

Der historische Sieg über Schweden in Kirchberg war kein Zufall. David Jansson und sein Trainerstaff wurden für eine langfristige Arbeit belohnt. Sie haben die richtige Taktik gewählt. Trotzdem war die Turnierleistung nur phasenweise gut.

Taktisch ausgespielt David Jansson hat mit seiner Trainercrew gegen Schweden die richtige Taktik gewählt. (Bild: Fabian Trees)

Der Höhepunkt der Euro Floorball Tour folgte zum Schluss. Im 67. Anlauf konnte die Schweiz endlich den achtfachen Weltmeister Schweden bezwingen. Es war mit Abstand die beste Leistung von David Janssons Mannschaft an diesem Turnier. Es wurde in taktischer Hinsicht praktisch alles richtig gemacht, was man richtig machen kann. Der Erfolg war nicht gestohlen, sondern verdient.

Keine «geschenkten» Tore
Zwar verfügt Schweden immer noch über die höhere individuelle Klasse. Das hat man am besten beobachten können, als es zur Spielmitte zu einer nicht alltäglichen zweiminütigen 3-gegen-3-Situation kam. Die Schweiz - mit Graf, Hofbauer und Hartmann auf dem Feld - konnte lange den Ball halten, jedoch ohne, dass dabei etwas Zählbares herausschaute. Kaum kamen hingegen die Schweden in Ballbesitz, «schäpperte» es auch schon.

Wenn Ausnahmekönner wie Kim Nilsson, Rasmus Enström oder Emil Johansson viel Platz haben und zu 1-gegen-1-Situationen kommen, sind in dieser Hinsicht nach wie vor zwei Drittel der Mannschaft besser als die Schweizer. Wenn man sie dazu mit leichten Fehlern zu Torchancen einlädt und ihnen durch vermeidbare Strafen Powerplay-Möglichkeiten gibt, dann ist es immer noch schwierig, sie zu bezwingen.

So wie im WM-Halbfinal von Riga, als die Schweiz während zwei Dritteln auf Augenhöhe spielte und taktisch eigentlich besser auf das Spiel eingestellt war. Aber im entscheidenden Moment, zu Beginn des letzten Drittels beim Stand von 2:2, «schenkte» die Schweiz den Skandinaviern durch einen individuellen Lapsus und einer Strafe zwei Tore. Am Sonntag konnte sie dagegen die Fehlerquote auf einem Minimum halten. Und Überzahlmöglichkeiten gab sie ihnen auch nicht - bis 15 Sekunden vor Schluss, als Schweden dann auch gleich reüssierte...

Antworten gefunden
Dass die Mannschaft von Mikael Hill vor allem von der individuellen Klasse lebt, zeigte das Spiel in Kirchberg brutal auf. Systemmässig praktiziert sie nämlich nichts Aussergewöhnliches. Ein mutiges Pressing wird nur im äussersten Notfall angewendet und wenn, dann ist es zu mannorientiert und weist Mängel auf. Die Schweiz hatte in Kirchberg auf dieses mit Positionswechseln die passende Antwort. «Sie hatten enorme Probleme, das Spiel zu steuern. Wir spielten immer wieder in ihre Lücken», meint David Jansson. Tatsächlich wirkte die Schweiz nie hektisch, wartete mit dem Ball, bis doch mal ein Schwede anfing zu steuern und spielte dann mit einfachen Pässen in die Ecke.

«Es ist schön, hat für einmal die Mannschaftsleistung über die individuelle Klasse gesiegt», sagte Verteidiger Luca Graf nach Spielschluss. Genau so ist es. Und natürlich brauchte es auch ein bisschen Glück. «Aber wer sich gut vorbereitet, wird früher oder später mit Glück belohnt», hält Jansson fest. Der Schwede hat das Gefühl, «dass wir immer mehr in wichtigen Spielen zur richtigen Zeit belohnt werden.»

Schweden nicht von der Rolle
Trotz dem historischen Sieg, wäre es fatal, die ganze Turnierleistung nur an diesem Spiel festzumachen. Gegen Tschechien und Finnland war die Schweizer Leistung nur phasenweise gut. Sechs Tore in zwei Spielen sind klar zu wenig. «Gegen Tschechien haben wir schon schlechter gespielt, aber trotzdem gewonnen. Das gab uns vielleicht eine gewisse Genügsamkeit», so Jansson. Dass das Spiel mit Ball vor der Schweden-Partie noch nicht wie gewünscht verlief, führt der Nati-Trainer auch darauf zurück, dass das Kader aus vielen neuen oder noch nicht so erfahrenen Spielern bestand. «Wir praktizieren ein offensives System, da braucht es manchmal etwas Zeit, bis man die letzten Details verinnerlicht hat. Auch spielten praktisch alle Formationen noch nie so zusammen.»

Die EFT in Kirchberg erbrachte bilanzierend die Gewissheit, dass man mit diesem Gameplan auch Schweden schlagen kann. Und zwar nicht nur, wenn das Starensemble einen schwachen Tag einzieht und die Schweiz in Bestbesetzung antritt. Die ständige Frage "wann kommt endlich der erste Sieg über Schweden?" ist endlich vom Tisch. Einfacher wird es künftig aber auch gegen Tschechien und Finnland nicht werden. Diese Spiele sind wieder ganz anders. es werden andere Qualitäten und eine leicht veränderte Taktik gefragt sein.

Mehr zu den Aussichten der Schweizer-Nationalmannschaft gibt es in der Dezember- und Januar-Ausgabe des Printmagazins.

 

Nivin Anthony 31.24.12.183

01:18:10
09. 11. 2017
Die Schweiz tut gut daran, jetzt nicht gleich abzuheben. Schliesslich war es die Euro Floorball Tour direkt nach einer Weltmeisterschaft. Natürlich ist es schön gegen die Schweden gewonnen zu haben. Ist man ehrlich zu sich selbst: Es ist das bedeutungsloseste Spiel überhaupt innerhalb einer Nationalmannschaft. Irgendwann war es ja klar, dass das grosse Schweden die kleinen Schweizer unterschätzt und sich nicht 100% darauf Einstellen und Vorbereiten. Ich finde es auch äusserst bedenklich die Lorbeeren ausschliesslich der Taktik und damit verbunden Trainercrew rund um den Heilsbringer David Jansson zu übergeben. Es ist ein weit längerer Prozess der die Nationalmannschaft rund um Spieler wie unser Rekordnationalspieler Matthias Hofbauer durchgemacht hat. Hinzu kommt die vielen, vielen Stunden Trainingsarbeit die landauf, landab in den einzelnen Vereinen mit so viel Herzblut betrieben wird, damit man da steht wo man jetzt steht als Schweizer Nationalmannschaft. Nur um ein Beispiel zu nennen: René Berliat hat sein ganzes Leben dem Unihockey geopfert und Spieler wie Manuel Maurer sind es, die die Nationalmannschaft zu dem macht, was sie heute ist... Ebenso haben frühere Nationalmannschaftstrainer ihren Dienst für die Nation Schweiz geleistet. Der viel gescholtene Petteri Nykky hat sehr viel neue Ideen in das Schweizer Unihockey gebracht. Ich finde es nicht fair, dass die Lorbeeren - wie von unihockey.ch inzeniert - dem Heilsbringer David Jansson zugeschrieben wird. Ich sage nur: "Offense wins games, Defense wins Championships!" Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, dann ist es ja für uns alle eine Win-Win-Situation, hege aber grosse Zweifel..! Sportliche Grüsse Nivin
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