03.
2014
Wenn einfach nichts klappt
Das deutliche Scheitern im Playoff-Halbfinal gegen Piranha Chur schmerzt die Red Ants. Weniger die Tatsache, dass man am Meister gescheitert ist, aber die Art und Weise. Die Ursachenforschung und die Planung der nächsten Saison gehen Hand in Hand.
So deutlich hatte das niemand erwartet. 3:5, 3:7, 3:8 - die Red Ants wurden von Piranha mit einem „Sweep" elimniert, nachdem die Winterthurerinnen zuvor alle drei Duelle in der Qualifikation knapp gewonnen hatten. Nun ist das Ausscheiden gegen den amtierenden Meister an sich keine Schande, das Aus des Qualifikations-Zweiten gegen den Dritten keine Sensation. Die Bündnerinnen hatten zwar viele Abgänge zu verzeichnen, brachten aber immer noch zwei Blöcke mit hoher Qualität zusammen, in denen sich vier Ausländerinnen und vier Schweizer Nationalspielerinnen finden lassen. Aber die Red Ants schafften es zu keinem Zeitpunkt, an die Leistungen aus der Qualifikation anzuknüpfen. Dann nicht bereit zu sein, wenn es zählt, ist bitter. Alle drei Partien verliefen nach dem gleichen Muster. „Wir begannen nicht schlecht, nutzen aber unsere Chancen nicht - und nach zwei Toren Piranhas klappte bei uns nichts mehr", fasst Red-Ants-Trainerin Kati Eteläpää die Serie zusammen. „Vor allem in der Verteidigung waren wir zu wenig aggressiv", fügt sie an. In der Tat sprechen 20 Gegentore eine deutliche Sprache. „Wir begingen in diesen drei Spielen mehr Abwehrfehler, als in der kompletten Saison zuvor", meint Eteläpää gar.
Wenn sich ein Team physisch fit fühlt, aber dennoch fast alle Zweikämpfe verliert, Bälle verstolpert und kaum Abpraller ergattert, liegt das Problem im Kopf. „Es fehlte uns an der Überzeugung", gibt Eteläpää zu und gesteht, dass sie das nicht hat kommen sehen. „Ich habe mich seit letztem Samstag immer wieder gefragt, was ich falsch gemacht haben könnte", sagt die Finnin. Zu einem Schluss gekommen ist sie noch nicht. „Wir haben alles probiert. Ich hatte einen Plan B, C und D - aber nichts funktionierte." Sie ist somit ähnlich ratlos wie ihr Team in den drei Halbfinalpartien. Piranha war immer einen Schritt schneller, entschlossener, vor dem Tor kaltblütiger - oder kurz, in jeder Beziehung besser. Einzelne Lichtblicke wie die positiv überraschenden Claudia Gut oder Lorena Obrist reichten einfach nicht.
Verstärkungen stehen bereit
Morgen Freitag trifft sich das Team zum unerwartet früh angesetzten Abendessen zum Saisonende - noch ehe die Finalserie zwischen Piranha und Dietlikon beginnt. Für Torhüterin Heidi Jud, die Bernerinnen Karin und Daniela Stettler und die erst auf diese Saison hin aus der NLB gekommene Sabrina Schlatter wird dies der letzte offizielle Auftritt für die Red Ants sein, ehe sie zurücktreten. Ob die grosse Teamleaderin Andrea Kern dem Verein erhalten bleibt, soll sich erst nächste Woche entscheiden. Für die kommende Saison liegen aber einige Nägel bereit, die nur noch eingeschlagen werden müssen. Ein kompletter Block an neuen Spielerinnen mit NLA-Erfahrung steht bereit. „Da einige Spielerinnen derzeit noch in Playoffs involviert sind und wir zunächst das Team informieren wollen, kann ich die Namen noch nicht sagen", gibt sich Eteläpää bedeckt. Bekannt ist immerhin, dass die lettische Skorerin Diana Isjomina, die momentan mit den Floorball Riders gegen den Abstieg kämpft, ein Thema ist. Sie würde die Eigenschaften verkörpern, die den Red Ants zuletzt fehlten - den Zug aufs Tor und ein gesundes Mass an Selbstvertrauen. Eteläpää zeigt sich jedenfalls optimistisch. „Es sieht so aus, als ob das Kader mit Ausnahme von zwei bis drei Plätzen schon jetzt komplett ist. Das ist mir in zwölf Jahren als Trainerin Mitte März noch nie passiert." Auch wenn der Playoff-Frust noch tief sitzt - erste Anzeichen von Optimismus sind also schon wieder da. Denn wie heisst es so schön: Nach der Saison ist vor der Saison.