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NLA Männer | Autor: unihockey.ch

Kraftwerk Kanebjörk

Ein Inspirator, Antreiber und Zweiwegspieler, den jeder Trainer in seiner Mannschaft haben möchte. So porträtierte unihockey.ch vor einigen Jahren Joel Kanebjörk, als er mit Storvreta Meistertitel feierte und gerade zum ersten Mal Weltmeister geworden war.

Kraftwerk Kanebjörk Joel Kanebjörk soll in der kommenden Saison Uster voranbringen. (Bild: Innebandymagazinet)

Joel Kanebjörk ist nicht nur wegen seiner Grösse von 190 cm eine auffällige Figur. Kurz vor dem Anpfiff sieht er jeweils aus wie ein Pulverfass, das in jedem Moment explodieren könnte, wenn er vor der Bank mit entschlossener Miene hin und her marschiert. «Ich bin jeweils extrem geladen. Nur so kann ich meine beste Leistung abrufen. Enge Spiele, in denen jeder Fehler entscheidend sein kann, liebe ich. Wenn anderen nachgeben, bin ich am besten. Leider gibt es nur wenige solche Spiele in einer Saison. In der Qualifikation muss ich härter arbeiten, um mich auf dieses Energieniveau zu heben. Das gelingt mir nur durch klare Rituale, und hin- und hergehen ist ein solches Ritual.»

Der Energieminister
Sein Weg zum Weltklassecenter war schnurgerade. Mit 19 Jahren schon wurde er vom damaligen Trainer Stefan Forsman zum Captain von Storvreta ernannt. Er ist dreifacher schwedischer Meister und wurde im Dezember 2012 im Hallenstadion erstmals Weltmeister. Zwei Jahre später folgte in Göteborg der zweite Titel, dazu holte er 2010 und 2016 WM-Silber. Nur wenige haben ein derart mit Ruhm gespicktes CV. Der Erfolg fiel dem Center aber nicht zufällig in den Schoss. Er setzte sich immer genaue Ziele und verfolgte diese konsequent. Als unihockey.ch den Schweden in der Februar-Ausgabe 2013 porträtierte, absolvierte er noch das fünfte und letzte Jahr seines Studium zum Ingenieur - mit dem Schwerpunktthema Energie. Danach machte er eine Studiumspause, um sich als Angestellter im Stundenlohn beim Wirtschaftsdepartement in Stockholm um Energiefragen zu kümmern. «Ich möchte so oft wie möglich arbeiten und machte mir einen detaillierten Plan. Ich plane die Arbeitszeiten so, dass ich den Zug erwische, um rechtzeitig vor dem Training zu Hause zu sein», erklärte er.

Kanebjörk ist ein Spieler, der anderen stets einen Schritt voraus war. Schon als 9-Jähriger Unihockeyspieler zeigte er eine ausgeprägte Winnermentalität. «Wir waren sehr talentiert und gewannen alles hochüberlegen. Nur gegen GAIK aus Upplands Väsby stiessen wir jeweils auf Widerstand. Das waren richtige Fights», erinnert er sich. Sein erster Trainer war Vater Håkan, der früher auf Eliteniveau gespielt hat - als Volleyballer. Er trainierte Joels Team Teknikum und verwendete viel Zeit für jene Dinge, die Kinder überhaupt nicht mögen, die aber wichtig sind, um später erfolgreich zu sein. «Er machte sehr gute Arbeit mit uns. Wir mussten immer eine Viertelstunde lang Pässe spielen, ehe wir etwas anderes machen durften. Für mich ist der Schlüssel zum Erfolg, dass man alle Grundtechniken beherrscht», berichtet Joel Kanebjörk.

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Joel Kanebjörk an der WM 2014 in Göteborg. (Bild: Erwin Keller)

Klein angefangen
Vater Håkan erinnert sich an den kleinen Joel auf dem Spielfeld: «Der grösste Unterschied zu anderen war, dass er eine unglaubliche Ausdauer hatte. Wenn ein Spieler krank war, machte er ohne Probleme Doppeleinsätze. Er war weder ein blendender Techniker, noch hatte er einen speziell guten Schuss. Er konnte das Spiel schon immer sehr gut lesen, aber er war stets am richtigen Ort, spielte den richtigen Pass und attackierte im richtigen Moment. Er spielte viele Jahre als Verteidiger und es dauerte eine Weile, bis er auch in den Sturm vorrückte und schliesslich Tor um Tor erzielte. Er war ziemlich klein und lebte überhaupt nicht von seiner Physis. Er spielte die Gegner schwindlig», erklärt Håkan Kanebjörk. Um ein erfolgreicher Unihockeyspieler zu werden, brauchte es nicht nur Talent, sondern auch hartes Training und Disziplin. «Joel ist ein Alphatier. Er ist ruhig und besonnen mit dem Fokus auf das Wichtige», so Vater Håkan. «Ich glaube nicht, dass man erfolgreich sein kann, wenn die Grundeinstellung fehlt. Man muss in der Schule fleissig sein. Und man muss Achtung vor der Gruppe haben, wenn man weit kommen will.»

Die Entwicklung von Joel Kanebjörk ging schnell voran. Bei Sirius spielte er als 12-Jähriger mit den ein Jahr älteren Jungs. Danach war er als 14-Jähriger im U18-Team von Hagunda und war schon als 15-Jähriger Stammspieler bei Årsta in der Division 3. Storvreta und Årsta hatten eine Zusammenarbeit und so spielte Kanebjörk nicht nur in der Division 3 und bei den U18-Junioren von Årsta, sondern trainierte auch mit den Männern von Storvreta. Im folgenden Jahr unterschrieb er einen Vertrag beim SSL-Klub. Um seine erfolgreiche Laufbahn zu erklären, hebt Kanebjörk die Rolle seiner Eltern hervor - vor allem Vater Håkan: «Meine Eltern haben meine sportlichen Tätigkeiten stets aus nächster Nähe verfolgt. Sie haben es mir sehr einfach gemacht und ich konnte mich auf den Sport konzentrieren. Sie sind noch immer sehr engagiert und schauen alle meine Spiele.»

100 Kilo Kraft
Kanebjörk hätte ebensogut Fussballprofi werden können. Er war einer von vier Spielern der Region Uppland, der für die Distriktauswahl nominiert war. Erst mit 16 Jahren entschied er sich für Unihockey und gegen Fussball. «Ich war etwas besser im Unihockey, deshalb war dieser Schritt ganz normal», erinnert er sich. Zwar betont er, dass ihm immer alles leicht gefallen sei, doch steckt hartes Training hinter den Erfolgen. Im Sommer arbeiteten die Storvreta-Spieler während sechs Wochen individuell mit einem eigenen Trainingsprogramm. Für den 100-kg-Brocken Kanebjörk hiess das vor allem viel Lauftraining und Arbeit an der Explosivität - kurze Intervalle. Hingegen war er nie im Kraftraum oder hat Gewichte gestemmt. Er verstand es auch, den Verlockungen des schwedischen Sommers zu widerstehen. «Natürlich frage ich mich manchmal, ob ich so viel Zeit aufwenden will fürs Unihockey. Aber ich finde immer wieder Motivation. Und ich weiss, was mein Körper braucht, um in Form zu sein.»

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Joel Kanebjörk in jungen Jahren als Model in einem Modemagazin. (Bild: Innebandymagazinet)

Bei Storvreta war Kanebjörk mit seiner defensiven Arbeit und seiner Fähigkeit, Bälle zu erobern, ein wichtiges Puzzleteil. «Joel ist unglaublich wichtig für die Mannschaft. Er macht einen grossen Teil dieses erfolgreichen Teams aus, das Storvreta aufgebaut hat. Er hat die richtige Einstellung und opfert sich für die Mannschaft. Es wäre sehr schwer, ihn zu ersetzen», sagte Storvretas Trainer Magnus Jäderlund. «Er weiss, was es braucht, um Erfolg zu haben. Als Person setzt er immer die Mannschaft an erste Stelle », so Jäderlund weiter. «Auch wenn Joel Jahrgang 1988 hat, ist er schon sehr lange dabei. Schon in seiner zweiten Saison mit Storvreta wurde er zum Captain ernannt. Man bekommt die Binde nicht als 19-Jähriger, wenn man nicht dafür bereit ist», ergänzte damals Mika Kohonen.

Lob von Kohonen
Mit der Zeit zeigte Kanebjörk auch noch andere Qualitäten in seinem Spiel. «Bisher war er ein sehr starker Defensivcenter und hatte seine Rolle in der zweiten Linie, die primär harte Arbeit verrichten musste. In Zukunft soll er vermehrt auch die Offensive antreiben und nicht nur zufrieden sein, wenn er gut nach hinten arbeitet. Auch die Nationaltrainer haben ihn für seine Fortschritte in der Offensive gelobt», so Jäderlund im Frühling 2013. «Es ist gut möglich, dass Joel nicht die Wertschätzung erfährt, die er verdient, weil er nicht so viele Skorerpunkte sammelt. Aber es ist in Uppsala kein Geheimnis, wie stark er ist», ergänzte Mika Kohonen.

Sein Debüt in der Nationalmannschaft gab Kanebjörk als 18-Jähriger an der Seite von Anders Hellgård und Johannes Gustafsson. «Das war toll, mit diesen alten Hasen spielen zu können», erinnerte er sich. Seither war er an vier Weltmeisterschaften in Schwedens Nationalteam ein sicherer Wert, zuletzt gehörte seine Linie an der WM 2016 in Riga gar zu den besten und erzielte im Final zwei Tore. 2014 verliess er Storvreta und bestritt zweieinhalb Saisons mit AIK Stockholm, ehe er noch einmal für ein paar Monate zu Storvreta zurückkehrte, als dort personelle Not am Mann war. Nach der letzten Saison bei SSL-Aufsteiger IBF Örebro heuerte er nun bei Uster an. Wir sind gespannt, ob der 30-Jährige auch im Buchholz zum Energieminister wird.


Dieser Artikel basiert auf einem Porträt, das in Ausgabe 78 des unihockey.ch-Printmagazins erschienen ist (Februar 2013).

 

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