12.
2025
Marcia Wick: «Das Vertrauen war das wichtigste»
Marcia Wick spielte als Center gegen Tschechiens Paradeformation und kam während der zehnminüten Strafe gegen Annina Faisst auch noch im dritten Block zum Einsatz. Sie blickt im Interview auf eine intensive Partie und eine gelungene WM-Kampagne zurück.
Ich dachte vorher kurz: Es sieht hier in Ostrava aus wie bei euch in Kloten nach einem Superfinal. Ein Eisstadtion mit etwa 8000 Plätzen, mehrheitlich blaue Sitzschalen, goldene Schnipsel auf dem Hallenboden... Aber heute war für euch etwas anders: Ein Grossteil des Publikums war gegen euch. Wie fühlte sich das an?
Marcia Wick: Es war der Wahnsinn, einfach unglaublich. Fast die ganze Halle ist gegen dich. Und doch schaut man hoch, sieht die eigenen Fans und hört sie gegen die grosse tschechische Mehrheit eindeutig raus. Das fühlte sich toll an. Es ist unglaublich, was unsere Fans an diesem Wochenende für eine Leistung erbracht haben, wie viel Lärm sie für uns gemacht haben.
Das Spiel war eng, Tschechien machte viel Druck. Positiv: Man liegt in Führung - das half rückblickend doch sehr? Beim Stand von 0:0 wäre das dritte Drittel noch heisser geworden?
Das Tor fiel früh und das half uns sicher. Andererseits hätten wir selber wohl auch etwas mehr Druck gemacht, wenn es unentschieden gestanden hätte. Es wären vielleicht beide Teams etwas verhaltener aufgetreten - aber es wäre definitiv ein anderes Spiel gewesen. Darum, ja, das Tor half auf jeden Fall. Danach hiess es einfach: hart arbeiten, defensiv gut stehen, jeden Block nehmen...
Du hast noch "Überstunden" geleistet - als mit Annina Faisst der Center der 3. Linie für zehn Minuten auf die Strafbank musste, hast du Doppeleinsätze gekriegt und sie dort ersetzt. Warst du auf sowas vorbereitet - und danach nicht völlig KO?
Zum Glück waren es am Ende nur drei dieser Doppeleinsätze. Darauf vorbereitet war ich definitiv nicht, aber ich habe mir gesagt, jetzt muss ich einfach pushen. So einen Final ist etwas einmaliges, da geht man einfach voll und verdrängt alles andere.
Die Goalies und die Verteidigung wurden schon oft gelobt, ihr als Center habt aber auch einen riesen Job gemacht, vor allem defensiv. Wie würdest du deine eigene Leistung beurteilen?
Unser Motto "Leiden ist geil" sagt schon viel - heute war aber vor allem das Liniencoaching wichtig. Wenn man die Spiele der Tschechen geschaut hat, wusste man mit wie viel Power ihre Paradelinie kommt. Es war zu erwarten, dass sie oft in unserer Spielfeldhälfte sein würden und da war abgemacht, dass wir nahe an den Spielerinnen dran sind, alles blocken, und das kann auch richtig geil sein. Es ist wie ein Motto - gehen wir eher offensiv oder konzentrieren wir uns auf die Arbeit in der eigenen Zone? Gestern hatten wir etwas mehr Spielzeit mit Ball, heute stand die Verteidigung im Fokus.
Gestern wurde Tschechiens 1. Linie sehr forciert. Es war also damit zu rechnen, dass du heute viel auf dem Feld bist?
Wir sind schon etwas die "Power-Linie", die physische Linie. Wir rechneten mit vielen Laufduellen und dass wir defensiv viel arbeiten müssen. Die Tschechinnen sind auch ein sehr physisches Team - athletisch standen heute sicher die zwei besten Teams dieser WM im Final.
Was habt ihr euch in Führung liegend für das Spiel mit Ball vorgenommen?
Wir haben viele Bälle durch das Blocken von Schüssen oder durch Zweikämpfe in den Ecken gewonnen. Die Devise war, der erste Ball wird vorwärts gespielt, wir versuchen in die Tiefe zu gehen und hoch Druck zu machen, das ist vielleicht nicht immer gelungen, das könnte man sicher noch anschauen - muss aber heute nicht mehr sein (lacht).
Man darf nicht vergessen, dass dies deine erste WM war. Du warst aber während der gesamten zweijährigen Kampagne dabei und auch an den World Games in China. Alles richtig gemacht, wenn man die Entwicklung sieht?
Ich glaube, es war einfach ein unglaublicher Prozess. Am Anfang der Kampagne hätte wohl niemand gesagt, dass wir heute hier stehen werden. Es war so viel Vertrauen da - in die Coaches, von den Coaches in uns, gegenüber allen anderen Teammitgliedern, wir wussten einfach, wenn wir Schritt für Schritt das machen, was wir uns vornehmen, dann kommt es gut. Man wird nicht am Anfang einer Kampagne schon Weltmeister. Und heute ist uns der letzte dieser Schritte gelungen. Das war das wichtigste - dieses Team wurde nur Weltmeister, weil wir soviel Vertrauen ineinander hatten.
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