11.
2013
Das Zwischenhoch der Bündner
Neun Bündner sind am letzten Wochenende in der Unihockey-Nationalmannschaft der Männer im Einsatz gestanden - so viele wie seit den glorreichen Neunzigerjahren nicht mehr.
Elf Monate ist es her, seit in Zürich und Bern die Unihockey-Heim-WM stattfand - mit einem einzigen Schweizer Spieler aus den Reihen von Alligator Malans und Chur Unihockey, dem Appenzeller Armin Brunner. Inzwischen, so scheint es, hat sich das Blatt gewendet: Beim letzten Zusammenzug vor Wochenfrist bot Nationaltrainer Petteri Nykky nicht weniger als neun Bündner auf - sieben Malanser und zwei Churer.
Der Umbruch, der nach dem dritten WM-Platz eingeleitet wurde, ist in vollem Gang, und die Strategie, die der Verband verfolgt, ist langfristig ausgelegt. Entsprechend hat der finnische Trainer Raum für Experimente. Dass er sich bei dieser Gelegenheit von den aufstrebenden Spielern vom neuen Schweizer Meister Malans lieber einen mehr als einen weniger genauer anschauen will, liegt auf der Hand.
Und doch ist es nicht bloss der Experimentierfreudigkeit des Trainers geschuldet, dass wieder mehr Bündner international spielen. «Es war absehbar», sagt Auswahlchef Mark Wolf mit Verweis auf den Bündner Anteil in den Junioren-Auswahlen vor wenigen Jahren sowie auf die «jungen Wilden» aus Malans und Churs Sandro Cavelti und Paolo Riedi.
Die Bündner Welle im Nationalteam ist erfreulich, aber nicht Abbild einer neu eingeläuteten Ära wie in den Neunzigerjahren, als die Bündner das Gros des Nationalteams bildeten. Thomas Berger, Trainer von Chur Unihockey, sagt: «Mein Eindruck ist zwiespältig. Einiges verläuft positiv, anderes weniger. Wir kämpfen immer noch gegen die gleichen Krankheiten an.»
Fehlende Breite
In erster Linie meint der Jeninser, der bis vor Kurzem die Schweizer U19-Nationalmansnchaft führte und am Mittwoch von Swiss Olympic zum «Nachwuchstrainer des Jahres» gewählt worden ist, die fehlende Breite für zwei NLA-Spitzenklubs in der Region. Es gebe Chur und Malans, die sich auf engem Raum konkurrenzieren, und dahinter komme lange nichts. «Andere NLA-Klubs können in ihrer Umgebung nach den besten Spielern ‘grasen', wir nicht», so der ehemalige Meistertrainer von Wiler-Ersigen. «Wir müssen alles selber generieren.» Zudem drohe den Bündner Klubs stets der studienbedingte Verlust von talentierten Spielern. Chur Unihockey verfüge zwar über einen grossen Unterbau, aber um dauerhaft ganz vorne mitzuspielen, reiche dieser nicht, sagt Berger. «Für das, was wir zur Verfügung haben, schaut derzeit viel heraus. Vor den Leistungen von Malans kann man nur den Hut ziehen.»
Gute und schlechte Jahrgänge
Auf einen anhaltenden Bündner Aufschwung zu schliessen findet Berger vermessen. «Es ist meiner Meinung nach keine Tendenz, sondern es sind einzelne gute Jahrgänge», erklärt er. Der Blick in die Juniorenstufen untermauert seine These: Während Churs U21 Schweizer Meister wurde, stieg die U18 in die zweite Stärkeklasse ab. In Malans mischte seit den überragenden 92er- und 93er-Jahrgängen, die im April ihren Teil zum ersten Meistertitel seit 2006 beitrugen, keine Junioren-Equipe in den Nachwuchsstufen mehr ganz vorne mit. Berger glaubt deshalb nicht an einen anhaltenden Aufschwung und spricht vom Status quo. Um zu mehr als im Moment fähig zu sein, brauche es a) mehr eigene Leute, b) den einen oder anderen nationalen Transfer und c) die Mittel - inklusive Job-Angebot -, um Top-Ausländer verpflichten zu können. Auf Dauer scheinen nicht alle Punkte gegeben - auch wenn Malans dank der Jobgarantie von Sponsor Cedes für Ausländer gute Karten in den Händen hält.
Zeitungsbericht "Die Südostschweiz"