05.
2012
Finalträume, endlich
Ich gebe es zu, es hat mich Überwindung gekostet, an die U19-Frauen-WM ins slowakische Hinterland zu reisen. Erst als swiss unihockey anfragte, ob ich die Berichterstattung übernehmen würde, habe ich „Mission Nitra" ernsthaft geplant. Die Saison war lang, die Arbeit intensiv und für eine Juniorinnen-Auswahl, welche vor zwei Jahren grausig enttäuschte neun Stunden Anfahrt in Kauf nehmen? Henusodehaut, wie der Berner so schön sagt. Die grümpelturnierhafte Organisation liess mich aber erschaudern und für einige Momente auch über eine vorzeitige Rückkehr nachdenken. Seit 2004 war ich an diversen internationalen Titelkämpfen, so überforderte Organisatoren wie hier, sah ich noch selten. „Gut, ist ja das erste Mal", denkt sich scheinbar auch der IFF, welcher bei einer ähnlichen Organisation eines Anlasses in der Schweiz wohl durchdrehen würde.
Item, seit Mittwoch ist alles vergessen. „Die Schweiz gewinnt gegen den Weltmeister", solche Titel schreibt man einfach gerne. Es war wirklich berührend, einmal live vor Ort sein, wenn eine Schweizer Landesauswahl gegen Schweden gewinnt. Zwei Siege haben wir bisher gezählt: 2005 die Frauen an einem EFT, 2008 die U19-Girls im WM-Finale. Und jetzt Nitra. Fernab jeglicher journalistischer Contenance feuerten mein schwedischer Kollege Sebastian Nurmi - welcher ähnlich wenig Ahnung von seinem Team hatte, wie ich - und ich „unsere" Teams an. Die Augen Nurmis wurden immer grösser, als Walther, Bärtschi & Co. seine Schwedinnen abschossen. Als wäre es das einfachste der Welt.
Ich muss gestehen, dass ich die Spielerinnen bis auf ein paar wenige Ausnahmen nicht von der Tribüne aus erkenne. Auch die Namen sind mir überhaupt nicht geläufig. So habe ich gestern im Liveticker scheinbar die komplette Familie Schibli erwähnt. Ich gelobe Besserung vor dem Halbfinal. Die „Go-For-Gold"-Stimmung ist bei mir mittlerweile etwas abgeklungen. Die Tschechinnen sind „brutal parat", wie es so schön heisst. Ebenso die Finninen, welche bislang das beste Hockey zeigen. Es würde nicht verwundern, wenn sich die Schweiz und Schweden im kleinen Final wieder sehen würden.
Doch zuerst darf wieder etwas geträumt werden. Die Chancen, dass die Schweizerinnen es in den Final schaffen, sind - trotz den starken Tschechinnen - deutlich grösser, als bei der „richtigen" WM im Dezember in St. Gallen. Nach der Enttäuschung dort, käme ein Exploit jetzt genau zur richtigen Zeit. Denn es harzt in der Juniorinnen-Szene. Immer noch viel zu wenige junge Spielerinnen zählt die Unihockey-Schweiz. Die frische und respektlose Spielweise dieses Schweizer Teams ist aber ansteckend und könnte Ansporn für junge Spielerinnen werden, doch etwas mehr Zeit in den Unihockeysport zu investieren, um einmal das Nati-Trikot überstreifen zu dürfen. Darum mein Aufruf: Drückt heute ab 17 Uhr die Daumen, dass endlich wieder mal ein Schweizer Team in einem WM-Final steht. Auch wenn es „nur" Juniorinnen sind. Danke.